11/12.5.2024 Am Samstag fahren wir früh los, um mittags in Hannover zu sein. Philipp, Annika, Hannah und Lasse kommen fast zeitgleich an. Das Familientreffen hat einen sehr schönen Anlass: Am Sonntag wird Elise getauft! Es ist eine wunderbare Feier bei Sonnenschein im Mai.12.5.2024 Gegen 16 Uhr brechen wir in Hannover auf nach Osten. Nach 150 km droht ein Stau voraus, und wir beziehen bei Magdeburg am Barleber See Quartier auf einem Campingplatz. Nach einem kleinen Rundgang genießen wir noch die Sonne vor dem Wohnmobil.13.5.2024 Gut 3 Stunden fahren wir noch, bis wir auf der A11 nach Polen hineinrollen. Mit Spannung beobachten wir, ob das mit der Maut in Polen klappt … Manfred hatte bei „e-Toll“ ein Konto eingerichtet, das Fahrzeug registriert, die App aufs Handy geladen und mit dem Fahrzeug gekoppelt und einen Betrag vorausgezahlt … und tatsächlich wird nun GPS-basiert für jeden Kilometer auf der polnischen Autobahn ein Betrag von 0,28 PLN vom Guthaben abgebucht 🎉. Der angesteuerte Campingplatz bei Stettin hat leider zu (ohne Hinweis im Internet), und wir fahren zum nächstbesten Platz, etwa 12 km von der Innenstadt entfernt. Die Radtour von dort in die Stadt wird dann etwas abenteuerlich, erst durch sandige Waldwege, dann an Schnellstraßen entlang und über große Brücken. Die Reifenpanne an Dagmars Rad bekommen wir zum Glück schnell in einem Fahrradladen behoben. Die folgende Stadtbesichtigung bietet mit der Oder und der Philharmonie ein paar schöne Motive, aber so richtig gut gefällt uns die vom Autoverkehr dominierte Stadt nicht. Nach holperiger Rückfahrt nebst Hundeverfolgung sind wir ganz froh, wieder am Wohnmobil anzukommen.14.5.2024 Gut erholt brechen wir von Stettin auf in Richtung Ostsee. Nach 90 Minuten Fahrt finden wir in Kolberg einen Stellplatz (Camping Baltic). Gut 12.000 Schritte bringen uns erst zu einem guten Essen mit Meerblick, dann ein gutes Stück am tollen Sandstrand entlang zum Hafen von Kolberg und schließlich auf der reichlich bevölkerten Promenade zurück zum Campingplatz. Beifang unseres Rundgangs ist übrigens ein Stück geräucherter Butterfisch …15.5.2024 Unsere heutige Radtour führt auf dem EU-Küstenradweg (E10/E13) nach Osten. Nach eingehendem Studium der Google-Restaurantbewertungen haben wir in Sarbinowo das „Al Mare“ mit 4,8 Punkten bei 1.752 Bewertungen ausgemacht … und wir werden nicht enttäuscht. Der Kabeljau schmeckt vorzüglich und die Bedienung (man spricht deutsch!) ist super nett. Der gut zu befahrende Radweg mit Waldpassagen, vielen Meerblicken und allerlei Tourismusgewerbe lässt die insgesamt 55 km für Hin- und Rückweg schnell vorbeiziehen. Es ist ein Sonnentag zum Genießen!16.5.2024 Die ab 6 Uhr laut hupenden Züge am Campingplatz sorgen dafür, dass wir verhältnismäßig früh aufbrechen. Das Ziel ist der Slowinzische Nationalpark an der Ostsee, nur 150 km, aber doch 3 Stunden entfernt. Da der dort liegende WoMo-Stellplatz geschlossen ist, nutzen wir einen weit abgelegenen Parkplatz am westlichen Ende des Nationalparks, um von dort die Umgebung zu erkunden. Schöner Wald, viel Sand und eine weitgehend unberührte Küste machen unseren dreistündigen Rundgang zu einem schönen Erlebnis. Nochmals eine Stunde Fahrt über gut 50 km bringt uns dann zum Campingplatz Morski 21 in Leba, wo wir einen wunderbaren, großen Stellplatz für die nächsten zwei Nächte in Beschlag nehmen.17.5.2024 Nach einer sehr ruhigen Nacht nutzen wir die Fahrräder, um dieses Mal von der östlichen Seite her in den Slowinzischen Nationalpark hineinzufahren. Nach gut 7 km erreichen wir den Fuß der Sanddüne „Wydma Lacka“, die wir dann zu Fuß bei ordentlichem Wind und viel Sonne erklimmen. Die Düne ist mit gut 40 m Höhe zwar kleiner als die Dune du Pilat in Frankreich, aber auch hier beeindrucken uns die großen weißen Sandflächen im Kontrast zum Grün der Bäume und zum Blau von Himmel und Meer. Ein Kurzbesuch des Ortes Leba rundet unseren Ausflug ab.Museum zum 2. WeltkriegMarktplatz mit NeptunbrunnenMarienkircheHandelsplatz für BernsteinPolnisches Postamt mit trauriger Geschichte18.5.2024 In 2 Stunden legen wir die 100 km nach Danzig zurück und checken dort standesgemäß auf dem Wohnmobilstellplatz der Technischen Universität Danzig ein, um dann von dort in die Innenstadt zu laufen. Wir haben für den Nachmittag eine fast dreistündige Tour über GetYourGuide gebucht, auf der uns ein lebhafter Danziger nicht nur die Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigt, sondern auch sehr gut mit der Stadtgeschichte vertraut macht. Diese reiche Hafenstadt wurde immer wieder von Kriegen geschunden und zerstört, und hier begann auch der 2. Weltkrieg. Auch wenn nur wenige Bauten im Original erhalten sind, hat man eine große und durchaus schöne Altstadt neu entstehen lassen, in der an diesem sonnigen Pfingstsamstag auch sehr viel los ist.Bernstein-Gürtelschnalle19.5.2024 Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir Malbork (Marienburg). Auf dem Programm steht heute die Besichtigung der Marienburg, die man schon vom Stellplatz aus sehen kann. Die Anfänge der riesigen Burganlage des Deutschen Ordens liegen im 13. Jahrhundert. Nachdem wir uns im Burgrestaurant mit guter polnischer Kost (Rouladen) gestärkt haben, begleitet uns ein sehr guter AudioGuide mehr als drei Stunden durch die Bauteile der Burg, durch viele Räume und einige integrierte Ausstellungen. Es ist eine kurzweilige und interessante Tour!20.5.2024 Heute machen wir es wie Fitzcarraldo: Auf dem Oberlandkanal lassen wir uns bei einer Bootstour mehrere Male mit dem Schiff auf Schienen den Berg hoch ziehen. Der ab 1860 gebaute Kanal ist mit seinen 5 „Rollbergen“ recht einzigartig. Die Schiffe fahren auf ein Gestell, das wie bei einer Standseilbahn an einem Seil gezogen wird, angetrieben wird die Fahrt über die Schienen durch Wasserräder. Die fast dreistündige Bootstour ist ein Zwischenstopp auf unserem Weg in die Masuren. Unterwegs sehen wir etwas entfernt auf den Feldern sogar einen Elch! Wir kommen nach 250 km in Krutyn auf einem guten Stellplatz unter, den wir auf Youtube kennengelernt hatten. Am Abend besuchen wir noch das gut besuchte Restaurant des Platzes.21.5.2024 Heute mieten wir ein Kajak, um auf dem Flüsschen Krutynia die Masuren zu erleben. Es wird eine wunderbar entspannte Fahrt bei Sonnenschein und durch sehr schöne Landschaft. Nach etwa eineinhalb Stunden gibt es eine Pause mit Imbiss in Rosocha, und nach etwa nochmal derselben Zeit beenden wir die Tour bei Wojnowo. In den 100 Zloty (23 €) Leihgebühr ist sogar das Abholen schon inbegriffen … was für ein Service! Überhaupt muss mal gesagt werden, dass alle hier sehr nett sind und wir überhaupt keine Sprachprobleme haben, weil fast jeder ein paar Brocken Deutsch zu können scheint … wir fühlen uns sehr wohl hier in Polen!22.5.2024 Unser nächstes Ziel ist der Stellplatz WIDOK im Nationalpark Wigry, nicht weit von der Grenze Polens zu Litauen. Erster Zwischenstopp nach gut 20 km ist der Ort Mikolajki, der sehr schön zwischen zwei Seen liegt, aber für uns außer der schönen Promenade und einem Geldautomaten nicht so viel zu bieten hat. Der zweite Zwischenstopp ist das „Führerhauptquartier Wolfsschanze“ mit seinen vielen mächtigen Bunkerruinen. Hier hat Graf von Stauffenberg am 20.7.1944 das Attentat gegen Hitler verübt. Unser AudioGuide funktioniert perfekt und berichtet ausgewogen und aufschlussreich über das damalige Geschehen. Unter Tarnnetzen geht es von Bunker zu Bunker, auch Schulklassen lernen vor den zum Teil 5 m dicken Mauerresten etwas über die Geschichte. Alles hat ein wenig die Stimmung von Angkor Wat, positiv ist hier aber vor allem, dass die NS-Zeit vorüber ist (und auch nie wieder kommen soll!). Danach geht es nur langsam voran auf den Alleen in dieser Gegend, und wir brauchen nochmal fast drei Stunden für die 150 km zum Wigry-See. Dafür bietet dann unser Sellplatz eine phantastische Aussicht! Das Wetter lässt auch nichts zu wünschen übrig: Um die 26 Grad und mehr als 10 Sonnenstunden.23.5.2023 Wir entscheiden uns, einen Tag länger auf diesem schönen Platz zu bleiben und ziehen deshalb auf einen anderen Stellplatz mit noch etwas besserer Aussicht um. Nach dem Mittagessen gehen wir auf Radtour um den Wigry-See. 45 km radeln wir durch Wälder, Felder und am See entlang, teilweise mit recht anstrengenden Passagen über Baumwurzeln und durch Sand. Auch die Klosterkirche Wigry können wir besichtigen. Es ist insgesamt eine schöne Runde, für die wir vom hiesigen Stellplatzbetreiber sogar mit einer wertvollen Medaille ausgezeichnet werden 😊. Den Tag rundet dann noch ein unterhaltsames Abendessen im Restaurant zusammen mit unseren Stellplatznachbarn aus Heidelberg ab.24.5.2024 Heute ist Ruhetag 😎. Wir verlassen den schönen Campingplatz gar nicht und genießen einfach das Wetter und die Aussicht. Manfred gelingt es nebenbei, die seit einer Woche streikende Alarmanlage des Wohnmobils (WiPro III) mittels „Sicherung raus und rein“ wieder funktionsfähig zu machen 🎉. Nachmittags gibt es zur Belohnung ein leckeres Weizenbier aus der hauseigenen Brauerei und abends dann gutes polnisches Essen im Restaurant am Platz … so geht’s! 😊25.5.2024 Dieser Tag verläuft deutlich anders als geplant! Eigentlich wollten wir Warschau besichtigen, aber irgendwo im Nirgendwo gut 100 km vor Warschau gibt es eine Warnung zur Kühlwassertemperatur. Auf der zum Glück naheliegenden Raststätte sehen wir, dass wir Kühlwasser verlieren. Ein Anruf beim Autoversicherer HDI verläuft leider unerfreulich (wir übernehmen ein paar Kosten, aber helfen können wir da nicht). Auch die nächste Fiat Professional Werkstatt ist über 100 km entfernt (und es ist Samstagnachmittag), so dass wir in der Raststätte um Rat fragen. Irgendjemand kennt jemanden und ruft ihn für uns an. Eine halbe Stunde später ist Hilfe da, Kühlwasser wird nachgefüllt, so dass wir ohne Überhitzung ein paar Kilometer nach Truszki in die Werkstatt unseres Vertrauens („Auto Moto“) fahren können 🧐. Nach zweieinhalb Stunden ist der Kühler ausgebaut und der Schaden nachvollziehbar: Ein Temperatursensor hat sich gelöst, ist zwischen Ventilator und Kühler geraten und hat dabei mehrere Löcher in den Kühler gerissen! Ein neuer Kühler und Temperatursensor müssen her, die gibt es aber eben frühestens am Montag. Also bleiben wir hier auf dem Werkstatthof der netten und bemühten Gastgeber, die sich dann aber im Gespräch als recht „querdenkend“ erweisen. Mit etwas Bauchgrummeln warten wir mal ab, wie es weiter geht …26.5.2024 Diesen Warte-Sonntag starten wir mit einem kleinen Hausputz, dann laufen wir über sandige Straßen mit etwas Umwegen zum nächsten Ort, um dort mit zwei Riesen-Pizzen Bekanntschaft zu machen. Am Nachmittag werden wir von unseren Gastgebern eingeladen, uns zu Ihnen zu setzen. Es wird auch recht nett, ein paar Brocken Englisch und Google-Übersetzer machen einen Austausch möglich (unter sorgfältiger Vermeidung politischer Themen!). Marty, ein lustiger Nachbar, kommt dazu und begeistert sich für unser Andechser Hefeweizen. Bevor wir uns wieder ins Wohnmobil zurückziehen, bekommen wir noch ein paar Gläser eingelegter Pilze geschenkt. Bei aller Misere mit dem Wohnmobil ist das hier schon eine andere und intensive Art, Polen kennenzulernen!27.5.2024 Um 8 Uhr waren wir verabredet, kurz nach halb 9 wecken wir unseren Werkstattleiter. Wir fahren mit seinem BMW (ohne Zündschloss) mit sehr deutlich überhöhter Geschwindigkeit ins 20 km entfernte Lomza, um die Ersatzteile zu kaufen. Und tatsächlich: Nach einer Stunde sind die Teile aus dem Lager an den Laden geliefert und abholbereit! Zurück am Wohnmobil macht sich unser Mechaniker gleich an die Arbeit. Man kann sagen, was man will, aber das kann er: gegen 16 Uhr ist alles zusammengebaut, der neue Frostschutz ist aufgefüllt, und wir lassen den Motor eine Weile probelaufen … es scheint alles dicht und gut zu sein! Nach der Bezahlung (bar in Euro, vergleichsweise günstig) können wir wieder auf die Autobahn, auf der wir 150 km bis nach Warschau fahren. Alles in allem haben wir bei unserer Panne also durchaus Glück gehabt und trotz zeitweiliger Bedenken ist soweit alles bestens gelaufen. In diesem Sinn: Danke dafür an „AutoMoto“ und seinen querdenkenden, rasenden Mechaniker.28.5.2024 Heute verbringen wir den ganzen Tag in Warschau. Mit dem Bus brauchen wir eine gute halbe Stunde ins Zentrum. Wir beginnen unsere Erkundung am Ghetto-Ehrenmal und dem leider geschlossenen jüdischen Museum POLIN. Ein erster Streifzug durch die nach dem Krieg komplett neu aufgebaute Altstadt bringt uns in ein Lokal mit leckerer polnischer Küche. Um 14:30 h startet dann der geführte Stadtrundgang, bei dem wir viel über die Geschichte von Warschau und Polen erfahren. Den Abschluss machen wir auf der Aussichtsplattform in der 30. Etage des Kulturzentrums, ein Hochhaus, dass 1955 von Russland an das Bruderland Polen geschenkt wurde und deshalb nicht bei allen Polen beliebt ist. Wir bestaunen die Skyline, Manfred vor allem einen großen Kreisverkehrsplatz mit vielen Bahnen und Bussen.29.5.2024 Mit Tempo 80 reihen wir uns in die Lkw-Kolonne auf der Autobahn ein und warten ein paar Stunden ab, bis wir nach 430 km kurz hinter Breslau den Ort Schweidnitz erreichen. Anlass für unseren Besuch ist die „Friedenskirche“, deren Bau im 17. Jh. (nach dem 30-jährigen Krieg) ein Zugeständnis an die Protestanten war. Da denen eine massive Bauweise nicht erlaubt wurde, entstand eine Fachwerkkirche, die innen üppig barock ausgeschmückt wurde. Einzigartig und sehr schön! Auch die Innenstadt von Schweidnitz gefällt uns sehr gut … hier sind die Häuser größtenteils im Original erhalten, weil diese Kleinstadt im Krieg nicht so stark zerstört wurde.30.5.2024 Nach 150 km verlassen wir Polen und machen Halt in der Grenzstadt Görlitz. Unsere kurze Stadtbesichtigung zeigt uns eine sehr schöne und gut erhaltene Altstadt. Über die Brücke machen wir auch nochmal einen Abstecher zurück nach Polen, bevor wir in einer hübschen Metzgerei noch etwas einkaufen. Die Fahrt in Richtung Heimat geht dann noch 250 km weiter bis ins Vogtland bei Zwickau. Wir beziehen Quartier auf einem alten Campingplatz, bei dem wir wegen des vielen Regens hier mit Mühe festen Untergrund für unser Wohnmobil finden.31.5.2024 Unsere Fahrt über die letzten 400 km läuft zügig, und wir sind am frühen Nachmittag wieder zuhause. Unser kurzes Fazit: Polen ist unbedingt eine Reise wert! Wir haben sehr schöne Natur und beeindruckende Städte gesehen. Prägend für unsere Reise war auch die allgegenwärtige Konfrontation mit der unrühmlichen deutschen Geschichte und das viele Leid in unserem Nachbarland zwischen den Fronten. Es ist so gut, dass es dank der EU inzwischen so viel Austausch zwischen unseren Ländern gibt! Es bleibt zu erwähnen, dass Polen absolut WoMo-tauglich ist und dass wir uns immer wohl und sicher gefühlt haben. Und auch die Sache mit unserer Fahrzeugpanne ist ja letztlich (trotz zwischenzeitlich intensiver Bedenken) sehr gut ausgegangen. Es war eine sehr gute Zeit! Aber unser „Regenwald“ in Trautheim ist auch ganz schön …