4.6.2026 Wir starten am Morgen in Richtung Belgien. Nach einem kurzen Tankstopp in Luxemburg erreichen wir gegen 14 Uhr den Ort Bouillon in den belgischen Ardennen. Der Ort ist zwar nicht Namensgeber für eine Suppe, liegt aber wunderbar an einer Flussschleife der Semois. Wir nutzen den einfachen, kostenfreien Wohnmobilstellplatz der Stadt (am Abend sind hier fast 20 Mobile versammelt). Hauptattraktion für den Tourismus hier ist die Burg Bouillon, die gemäß Wikipedia im 11. Jahrhundert angelegt und im 17. Jahrhundert zur Festung umgebaut wurde. Bei wechselhaftem Wetter erkunden wir die (Höhen-)Burg, geraten noch in eine Falknervorführung und genießen die schönen Aussichten auf den Ort.5.6.2026 Nach einem gemütlichen Start in den Tag (wir haben Urlaub!) laufen wir wieder in den schön angelegten Ort Bouillon und stärken uns in einem guten Imbiss. Anschließend besuchen wir eine sehr gut gemachte „immersive“ Ausstellung zur Geschichte der Kreuzzüge. Der hiesige Gottfried von Bouillon hatte 1096 seine Burg an die Kirche verkauft, um mit dem Erlös als einer der Hauptakteure am 1. Kreuzzug auf Jerusalem teilzunehmen. Nach einer Pause im Wohnmobil steigen wir abends nochmal auf die Burg, um dort einem Lichtspielspektakel zur Burggeschichte beizuwohnen.6.6.2026 Am späten Vormittag fahren wir vom Stellplatz in Bouillon ab und besuchen unterwegs erst einmal einen Supermarkt, um Brot, Gemüse und ein paar belgische Biere einzukaufen. Ziel der Fahrt ist heute Nivelles, etwa 30 km südlich von Brüssel. In einem recht neuen Wohngebiet, dessen Straßen alle nach europäischen Ländern und Hauptstädten benannt sind, finden wir einen übernachtungstauglichen Parkplatz in der Avenue d‘Allemagne. Am Nachmittag kommen auch Gesine und Yves-Laurent dort an, unsere Reise(beg)leitung für die nächsten drei Wochen. Gemeinsam besuchen wir Manuel (Gesines Sohn und Dagmars Patensohn) mit Roxane und dem 5 Monate alten Leon. Bei Salat, Spaghetti mit Lachs und frischen Erdbeeren gibt es viel zu erzählen!7.6.2026 Nach dem Frühstück mit der jungen Familie starten wir in unsere heutige Etappe von knapp 400 km nach Honfleur. Wir unterstützen den französischen Autobahnbetrieb mit etwa 70 Euro, dürfen dafür aber auch zügig vorankommen und die Seine auf der imposanten Pont de Normandie überqueren. Gleich hinter der Brücke, in Honfleur, wartet ein gestern reservierter Stellplatz auf uns. Am späten Nachmittag machen wir eine Radtour durch die hügelige Landschaft. Aus raumplanerischer Sicht ist diese Gegend sehr „zersiedelt“, aber dafür gibt es lauter wunderbare Anwesen mit riesigen Grundstücken und zum Teil wunderschönen Gebäuden im typisch normannischen Fachwerkbau. Bei einem dieser hübschen Anwesen, einer alten ausgebauten Apfelpresse, machen wir Halt und besuchen dort Renata. Sie ist seit vielen Jahrzehnten eine Freundin von Gesines Familie und hat gerade letzte Woche ihren 100sten (!!) Geburtstag gefeiert. Wir sind sehr beeindruckt von ihrer Lebensgeschichte und ihrem lebendigen, lebensfrohen Aufreten!08.06.2026 Um unsere fast 30 Jahre alten Erinnerungen aufzufrischen, fahren wir morgens noch spontan mit dem Fahrrad ins Zentrum von Honfleur. Wir besuchen das alte Hafenbecken und sind überrascht von den vielen Touristen im Ort. Die Kirche Sainte Catharine macht mit ihrem Dachstuhl deutlich, was dabei herauskommt, wenn Schiffsbauer mal eine Kirche bauen. Wir genießen noch leckere Galette als Mittagessen, bevor wir gegen 14 Uhr zurück zum Stellplatz radeln. Es sind dann 200 km zu fahren, bis wir unseren nächsten Halt in der Nähe des Mont Saint Michel erreichen. Unterwegs bekommt Dagmar mit, dass Ulla und Joachim, die wir in Marokko kennengelernt hatten, aktuell auf demselben Wohnmobilstellplatz in Beauvoir stehen. Es wird ein nettes Wiedersehen, das wir natürlich angemessen feiern! Zum Sonnenuntergang gegen 22 Uhr werfen wir dann noch einen ersten Blick auf den imposanten Mont Saint Michel, unser Ziel für den nächsten Tag.09.06.2026 Um 9 Uhr starten wir mit Gesine und Yves-Laurent mit dem Fahrrad zum etwa 5 km entfernten Mont Saint Michel. Es ist in Frankreich nach dem Eiffelturm das am meisten besuchte Touristen-Highlight (ca. 3 Mio. Besuche pro Jahr). Der Massenandrang ist jedoch perfekt organisiert, so dass wir bei sehr schönem Wetter die einzigartige Anlage auf der Insel im Wattenmehr weitgehend ungestört genießen und bestaunen können.10.06.2026 Nach dem Auffrischen aller Wohnmobilsysteme fahren wir gut 20 km zum „Champ Dolent Menhire“. Mit seinen 9,30 m Höhe, 8,70 m Umfang und vor allem seinem Alter von 4.000 bis 6.000 Jahren ist er ziemlich beeindruckend. Anschließend besuchen wir Dol de Bretagne, ein hübscher Ort mit Kathedrale und Käseladen. Nach insgesamt nur 50 km erreichen wir den Campingplatz „Le Bois Pastel“ in Cancale, wo wir zwei Nächte bleiben wollen. Unsere Radtour führt uns an die schöne Küste, wo wir in der Ferne nochmal den Mont Saint Michel sehen können. Zum Abschluss des Tages probieren wir dann noch Austern … besser bekommt man sie wohl nicht, aber sie sind trotzdem nicht unsere Leidenschaft 🤷♂️.11.6.2026 An diesem Donnerstag radeln wir etwa 14 km nach Saint Malo. Dort gibt es eine große Altstadt, die vollständig von einer Stadtmauer umgeben ist. Nachdem wir die Fahrräder abgestellt haben, laufen wir auf dieser Mauer am Meer entlang. Der hier besonders große Tidenhub von bis zu 12 m prägt die Küste mit vielen vorgelagerten Felsinseln. Es gibt es auch ein Meerwasserschwimmbecken, das bei Ebbe Badefreuden ermöglicht und bei Flut überspült wird. In der Altstadt essen wir hervorragende Galette, besichtigen die Kathedrale und ein altes Schiff und kaufen noch einige Mitbringsel wie Buchweizenmehl. Den Abend verbringen wir wie in den letzten Tagen gemeinsam mit Gesine und Yves-Laurent in unserem Wohnmobil.12.6.2026 Nach dem Wohnmobilservice fahren wir erst einmal zu einem riesigen Supermarkt. Allein die Auswahl an Rose-Weinen ist schon beeindruckend. Anschließend machen wir Halt am ältesten Gezeitenkraftwerk der Welt aus den 1960er Jahren. Es gibt hier auch eine Schleuse und eine Klappbrücke zu bewundern. Schließlich erreichen wir nach insgesamt gerade 50 km unseren nächsten Campingplatz „Le Frêche A L‘âne“. Wir treffen dort zwei französische Freunde von Gesine, mit denen wir den Abend verbringen.13.6.2026 Auf kleinen Straßen radeln wir 10 km durch die Hügellandschaft zum Cap Fréhel. Als wir uns der Küste nähern, wird es durch den Nebel spürbar kühler. Wir genießen das Wechselspiel von Sonne und Nebelschwaden an der Steilküste mit dem Leuchtturm und den Vogelkolonien. Insbesondere fallen uns die „fliegenden Pinguine“ (Tordalken) auf, die einen Teil der Felsen bevölkern. Vom Cap aus fahren wir zum Essen zur „Palanquée du cap“, einer sehr guten und preiswerten Gaststätte, die als Kooperative der Anwohner in Plévenon geführt wird. Gut gestärkt geht es weiter an einem der typischen Steinhäuser vorbei zur Besichtigung des Fort La Latte, eine Festung, die sich uns bei Sonne und Nebelschwaden pittoresk präsentiert. Auf dem Rückweg geht es schließlich an einer Meeresbucht entlang, die wir vormittags schon als Watt gesehen haben und die sich nun durch die Flut gefüllt hat.14.6.2026 Sonntag ist Ruhetag … jedenfalls bei uns. Manfred bleibt den ganzen Tag bei schönstem Wetter am Wohnmobil, nur Gesine und Dagmar machen nach dem Mittagessen einen Ausflug zu den „Les Jardins de Kerlouis“, eine sehr schöne ptivate Gartenanlage. Ab 19 Uhr läuft dann zunächst im Wohnmobil und dann beim gemeinsamen Abendessen auf dem Handy das erste WM-Spiel der deutschen Mannschaft (7:1 gegen Curacao).15.6.2026 Nach etwa 30 km erreichen wir Dinan, eine sehr hübsche mittelalterliche Stadt der Bretagne. Am Nachmittag geht es gut 100 km weiter zur Abtei Beauport. Dieser (renovierungsbedürftigen 🧐) Klosterruine statten wir aber nur einen Kurzbesuch ab. Nach nochmals knapp 30 km erreichen wir den „Camping Municipal de Beg Ar Vilin“ in Plougrescant. Der sehr gute Platz liegt direkt an einer großen Meeresbucht, an der wir auch wieder den heftigen Tidenhub bestaunen können.16.6.2026 Heute erkunden wir die umliegende Landschaft mit dem Fahrrad und zu Fuß. Wir beginnen am Maison du Gouffre, das zwischen Felsen eingeklemmt erscheint und deren Bewohner sich bemühen, die Touristenscharen auf Abstand zu halten. Zu Fuß geht es dann auf dem „Zöllnerweg“ an der wunderschönen Küste entlang zum Pointe de Château. Nach dem Mittagessen im Café Krampouz geht es mit dem Fahrrad weiter zum „Rocher des Amoureux“, den Fels der Liebenden. Überall hier beeindrucken nun bei Ebbe die vom Meer freigegebenen Felslandschaften. Auf dem Rückweg geht es dann vorbei an Artischockenfeldern zur „Chapelle de Saint Gonery“ mit schiefem Bleiturm und schönen Deckenmalereien im Inneren. Wieder am Stellplatz angekommen, bestaunen wir noch die landwirtschaftlichen Aktivitäten zur Austernzucht auf dem durch die Ebbe freiliegenden Grund der Meeresbucht. Wenige Stunden später ist hier wieder alles mit Wasser bedeckt. Den benachbarten Austernimbiss nutzen wir dann am Abend.17.6.2026 Am Vormittag bewegen wir unser Wohnmobil gemütlich knapp 30 km weiter nach Westen. Auf dem Camping Car Park in Perros-Guirec haben wir gestern zwei Stellplätze reserviert. Nach gemütlichem Mittagessen zwischen unseren Wohnmobilen laufen wir den kurzen Weg zur Küste. Blauer Himmel, noch blaueres Wasser und imposante Felslandschaften beeindrucken uns auch hier. Wir folgen dem „Zöllnerweg“, der ursprünglich von der französischen Krone für Patroullien angelegt wurde, die Schmuggel und Wrackplünderungen abwehren sollten. Inzwischen ist daraus ein sehr beliebter und sehr gut gepflegter Wanderweg über etwa 2.000 km entlang der bretonische Küste geworden.18.6.2026 Am Vormittag radeln wir keine 5 km, um die Ile Renote zu erreichen. In diesem Schutzgebiet, in das wir nicht einmal mit Fahrrädern hineinfahren dürfen, beeindrucken bei Seenebel undeingeschränkter Sichtweite vor allem die teilweise bizarren Felsformationen. Nach dem Mittagessen kümmert Manfred sich etwas ums Wohnmobil, während die anderen Reiseteilnehmer noch eine kleine Wanderung in eine nahegelegene, kühle Schlucht machen. An dem Bachlauf gibt es Fingerhut und unter den vielen Farnen sogar auch einen Königsfarn.19.6.2026 Unterwegs zu unserem nächsten Ziel machen wir einen Halt zum Tanken und Einkaufen bei einem großen Supermarkt Leclerc. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Stellplatz bei Roscoff. Er ist sehr einfach ausgestattet, aber wir gestalten es uns zwischen den beiden Wohnmobilen trotzdem gemütlich. Wir machen noch einen Rundgang zum naheliegenden Strand. Am Abend kochen wir die vier Artischocken-Prachtexemplare und genießen sie mit leckeren Soßen. Die Abfälle füllen pittoresk eine große Schüssel.20.6.2026 Mit den Fahrrädern geht es heute die knapp 5 km nach Roscoff. Das bretonische Hafenstädtchen hat eine hübsche Kirche und insgesamt einen schönen landestypischen Baustil. Eine Besonderheit dieser Region ist eine rosa Zwiebelart, wovon wir auch ein Säckchen erwerben. Wir gönnen uns ein recht gutes Mittagsmenü im „Les Chardons Bleu“, Dagmar genießt ein leckeres Gericht mit Jakobsmuscheln. Den Nachmittag nutzen wir für den Besuch des Botanischen Gartens, der noch einmal reichlich Fotomotive bietet. Am Abend bereiten wir aus den sehr milden Zwiebeln der Region eine französische Zwiebelsuppe, garniert mit Croutons und Parmesanchips.21.6.2026 Diesen Sonntagvormittag verbringen wir am Wohnmobil. Erst nach dem Mittagessen fahren wir wieder mit dem Rad nach Rosscoff. Das Hafenbecken sehen wir bei Ebbe. Darum herum wird heute wie vielerorts in Frankreich an mehreren Stellen Musik gemacht („Fête de la musique“). Wir hören bei einigen Künstlern rein und genießen das schöne Wetter.22.6.2026 Heute fahren wir von Roscoff quer durch die Bretagne an die Südküste. Zum „Camping de L‘Ocean“ bei Névez. Es ist ein schöner Platz, und zum Strand sind es nur einige Minuten zu laufen. Hier erfasst uns nun auch die Hitzewelle, die Deutschland schon ein paar Tage im Griff hat. Bei 35 Grad bekommt unser Kühlschrank wie üblich Probleme, und die Getränke sind mit 10 Grad leider nicht mehr ganz so kühl wie gewünscht. Das Bad im Meer am schönen Strand bekommt uns sehr gut. Zum Glück geht ein leichter Wind, der auch die Nacht im Wohnmobil bei geöffneten Fenstern erträglich macht.23.6.2026 Am frühen Vormittag brechen wir trotz der Hitze zu einer Radtour in das 10 km entfernte Pont-Aven auf. Der hübsche Ort beheimatete Ende des 19. Jahrhunderts eine Künstlerkolonie, der auch Paul Gaugin angehörte. Im dazu eingerichteten Museum lernen wir, dass von dieser Gruppe innerhalb des Impressionismus die Stilrichtung des Syntetismus begründet wurde. Dabei versuchten die Künstler sich an Darstellungen aus dem Gedächtnis, um so ihre Eindrücke und Gefühle zum dargestellten Objelt direkter mit einfließen zu lassen. In einem Werk erkennen wir ganz klar einen Backofen wieder, den wir gestern fotografiert haben. Nach Mittagessen und Rückfahrt harren wir etwas erschöpft auf dem Campingplatz in der Hitze aus, erst gegen Abend reicht die Energie dann noch für ein erfrischendes Bad im Meer. Das Abendessen wird wie fast jeden Tag mit einer Käseplatte abgerundet. Und heute gibt es auch ein Gläschen vom „Lambig“, dem Calvados der Bretagne.24.6.2026 Wir besuchen die Stadt Vannes. Es ist sehr heiß, wir lesen später, dass Frankreich seinen heißesten Tag erlebt. Der vorreservierte Stellplatz bietet leider keinen Schatten, und wir benutzen das erste Mal nach langer Zeit wieder unsere Klimaanlage im Wohnmobil. Mit dem Fahrrad fahren wir in die Stadt und machen dort trotz der Hitze einen kleinen Rundgang, die meiste Zeit sind wir aber in Geschäften oder im Cafe mit Klimatisierung. Am Abend gehen wir noch mit den beiden Kindern von Yves-Laurent, die hier bei Vannes leben, in ein Restaurant. Als wir zurückkommen zeigt das Thermometer im Wohnmobil 47 Grad an, wir lüften und kühlen, um es erträglich zu machen. Es ist trotzdem auch in der Nacht viel zu warm!25.6.2026 Wir beschließen, keine weitere Nacht in Vannes zu bleiben, sondern uns auf den Heimweg zu machen, während unsere Freunde noch einen Tag bleiben. Nicht weit von Vannes kaufen wir in der Cidrerie Nicol noch kräftig ein, bevor es auf eine lange Etappe von 650 km nach Troyes geht. Unterwegs zeigt das Außenthermometer beständig 45 bis 47 Grad an, zum Glück funktioniert unsere Klimaanlage gut. In Troyes finden wir einen guten Stellplatz mit einem Stromanschluss, der den Betrieb unserer Klimaanlage erlaubt. Erst um halb neun am Abend machen wir noch einen kleinen Rundgang in die Stadt, die schöne Ecken hat, aber auch viel Leerstand zeigt. Im heruntergekühlten Wohnmobil gibt es dann noch das Fußballländerspiel zu sehen.26.6.2026 Von Troyes aus machen wir uns bei weiterhin großer Hitze auf den Heimweg. Nach einem Zwischenstopp zum Tanken und Einkauf an einem Supermarkt noch in Frankreich und nach knapp 500 km erreichen wir unser Zuhause. Es war eine sehr schöne Reise! Den Süden der Bretagne werden wir sehr gern noch einmal besuchen, wenn es nicht ganz so heiß dort ist.